Krampfadern sind eine Volkskrankheit. Die Mehrheit der Bevölkerung entwickelt sie mit den Jahren. Sie sind kein bloßes kosmetisches Problem, sondern können zu ernsthaften Komplikationen führen.

Hier haben wir wissenswertes für Sie im kurzen Überblick zusammengestellt.

 

1. Was sind Krampfadern?

Venen sind Adern, die das Blut zum Herzen zurück bringen. Venen können sich sackartig erweitern, quasi „ausleiern“. Dann nennt man sie Krampfadern (Varizen). Der Begriff leitet sich von dem alten Wort „Krummader“ (krumme Ader) ab. Mit Krämpfen hat der Begriff „Krampfader“ primär nichts zu tun. In Krampfadern staut sich das Blut; es „steht auf der Stelle“.

2. Was sind Besenreiser?

Kleinste ausgeleierte Venen bezeichnet man als Besenreiser. Sie sind oftmals die Folge „schwachen Bindegewebes“. Schwangerschaften, die Einnahme der „Pille“ oder das Vorliegen größerer Krampfadern fördern ihre Entstehung. Besenreiser selbst haben keinen Krankheitswert. 

3. Wieso entstehen Krampfadern?

Der aufrechte Gang des Menschen ist maßgeblich an der Entstehung von Krampfadern beteiligt. Im Stand lastet ein hoher Blutdruck auf der Venenwand und auf den Venenklappen. Dies führt dazu, dass sich die Venen mit der Zeit sackartig erweitern („ausleiern“). Beim Gehen führt die Beinmuskulatur zwar dazu, dass das Blut hoch gepumpt wird; sobald wir jedoch stehen bleiben lastet der hohe Druck schnell wieder auf den Venenwänden.

Ungünstig wirken sich also langes Stehen und Sitzen auf die Venen aus (Steh- und Sitzberufe!); günstig sind „laufen und liegen“. Erbliche Belastung, Schwangerschaft und Übergewicht fördern das Auftreten von Krampfadern.

4. Welche Folgen können Krampfadern verursachen?

Krampfadern können mit den Jahren zu ernsthaften Komplikationen führen. Anfangs verursachen sie Knöchel- oder Fußschwellungen. Sie können leichte Missempfindungen, vereinzelt auch leichte Schmerzen oder Wadenkrämpfe auslösen. Später entwickeln sich juckende oder schuppende, teilweise braun gefärbte Hautveränderungen im Knöchelbereich. Bei ausgedehnten Krampfadern entsteht nach vielen Jahren oft ein Geschwür (sog. Ulkus). In Krampfadern kann das Blut gerinnen (sog. oberflächliche Venenthrombose).

Krampfadern bessern sich nie von alleine (Ausnahme: nach einer Schwangerschaft). Bestehende Krampfadern führen dazu, dass sich weitere Krampfadern leichter ausbilden.

5. Wie kann man die Entstehung von Krampfadern verhindern? 

Ideal wäre es, der Mensch würde nur liegen oder laufen (siehe Frage 2). Das ist natürlich unrealistisch. Gerade die vielen Steh- und Sitzberufe fördern die Entstehung von Krampfadern. Prophylaktisch kann man Stützstrümpfe tragen, die das „Ausleiern“ der Venen verhindern können. Bei bestehenden Krampfadern empfehlen sich Kompressionsstrümpfe, die noch fester und genauer sitzen. Zudem sollte man immer wieder die Bein- und Fußmuskeln betätigen, um das sich stauende Blut nach oben zu pumpen (z.B. wippen mit den Füßen).

Im Liegen würden sich vermutlich nie Krampfadern bilden. Hochlagerung der Füße im Schlaf ist nicht notwendig. Bei älteren Menschen kann hierdurch das Herz zu stark belastet werden.

6. Muss man Krampfadern operieren lassen? 

Nicht unbedingt. Aber in vielen Fällen ist es eine notwendige und sinnvolle Maßnahme.
Wenn Krampfadern vorliegen, sollte tagsüber zumindest ein Kompressionsstrumpf getragen werden (Ausnahme: bei fortgeschrittener pAVK der Beinarterien). Kleine Krampfadern kann man veröden (sklerosieren). Große Krampfadern (Stammvarikosis) sollten operiert werden, wenn der Kompressionsstrumpf nicht ausreicht oder er nicht getragen wird. Andernfalls können sich Komplikationen ausbilden (siehe Frage 3).  

Ob eine Krampfaderoperation notwendig, sinnvoll und möglich ist, müssen wir als Phlebologen (Venenspezialisten) zuvor abklären. Hierzu werden verschiedene diagnostische nicht-invasive Verfahren eingesetzt (Ultraschall-Duplex, Ultraschall-Doppler, VVP, LRR). Eine Kontrastmitteluntersuchung ist in nur wenigen Ausnahmefällen notwendig. Die Untersuchungen belasten Sie nicht und sind nicht schmerzhaft. Die individuellen Therapiemöglichkeiten werden  in unserer Venensprechstunde mit Ihnen besprochen.

7. Was kann ich gegen Besenreiser tun? 

Besenreiser haben keinen Krankheitswert, sie stellen aber für viele Betroffene ein kosmetisches Problem dar.

Prophylaktisch kann man nur sehr wenig gegen Besenreiser tun. Die „Pille“ sollte möglichst nicht eingenommen werden, wenn man zu Besenreisern neigt. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist sicherlich empfehlenswert, aber unkomfortabel. Besenreiser können verödet oder gelasert werden.  

Bei der Verödung wird eine Flüssigkeit mit einer sehr kleinen Nadel in die Besenreiser injiziert. Diese Flüssigkeit wirkt quasi wie ein Klebstoff, der die Besenreiser verschließt. Sie sind dann kaum oder nicht mehr sichtbar. Bei korrekter Technik ist die Verödung eine sehr effektive Methode. Sie ist entgegen landläufiger Meinung kaum schmerzhaft!

Das Lasern hat vor allem bei kleinsten Besenreisern den Vorteil, dass man das Gefäßlumen nicht „treffen“ muss. Der Laser arbeitet mit hochenergetischem Licht, welches die Gefäßwand in Folge der Hitzeeinwirkung „verschweißt“. Mit dem Laser erzielt man ähnliche Ergebnisse wie mit der Verödung.

 

Die Ergebnisse beider Methoden sind erst nach 4-5 Wochen beurteilbar. Meist sind mehrere Sitzungen notwendig. Häufig werden beide Methoden miteinander kombiniert.

 

In den meisten Fällen können Besenreiser nicht vollständig entfernt werden. Besserungen von 70-80% sind in vielen Fällen aber realistisch.

 

Von Bedeutung für die Verödung und das Lasern von Besenreisern ist, dass die Haut vor der Behandlung nicht zu stark gebräunt ist! Auch bis zu 4 Wochen nach der Behandlung sollte zu intensive Sonneneinstrahlung (auch Solarium) gemieden werden. Andernfalls können Pigmentverschiebungen auftreten, die leider recht lange anhalten können. Nach der Verödung müssen Kompressionsverbände über 48 Stunden angelegt werden.

8. Welche Kosten entstehen?

Die Venenuntersuchung und operative Entfernung von Krampfadern werden von allen Krankenkassen übernommen.

Die Behandlung von Besenreisern ist ein ästhetischer Eingriff, der von Krankenkassen nicht getragen wird. Die Kosten richten sich nach der Größe des zu behandelnden Areals. Die Verödung kostet meist 35 € (nach GOÄ).