Die Neurodermitis ist eine Erkrankung, die durch stark juckende Ekzeme (Ekzem = Rötung und Schuppung, z.T. auch nässende Stellen oder kleine Wasserbläschen) gekennzeichnet ist. Sie manifestiert sich zu 80-90% in den ersten fünf Lebensjahren. Mit dem Grundschulalter bessert sie sich häufig; sie kann aber auch immer wieder in Form von mehr oder weniger lang anhaltenden Schüben auftreten.

1. Ursache

Für die Entstehung der Neurodermitis sind mehrere Faktoren ursächlich. Zunächst einmal bedarf es eines Erbfaktors. Häufig findet man daher bei den Eltern oder Großeltern oder bei den Geschwistern oder in der weiteren Verwandtschaft ebenfalls Personen mit einer Neurodermitis. Dieser Erbfaktor bewirkt, dass die Haut von Natur aus trocken und „empfindlich“ ist. Diese empfindliche Haut kann nun durch verschiedene Faktoren so gereizt werden, dass es zu richtigen Ekzemen kommt. Man spricht auch von Auslösefaktoren (sog. Trigger). Die Auslösefaktoren sind sehr unterschiedlich. Man kann damit die Neurodermitis in fünf Gruppen einteilen:

 

1. Trockenheits-Neurodermitis (Fettarmuts-Neurodermitis)

2. klimatische Neurodermitis (Winter-Neurodermitis, Sommer-Neurodermitis)
3. Stress-Neurodermitis

4. Infekt-Neurodermitis
5. allergische oder pseudoallergische Neurodermitis

 

Nachfolgend sind einige wichtige Trigger genauer beschrieben:

  • Seife, Syndets oder Shampoos entziehen der Haut Fett; sie wird spröde und rissig.
  • Chlorwasser im Schwimmbad reizt die Haut (Chlorgas ist ein Reizgas!), Haut wird spröde
  • Infekte, z.B. Mandelentzündung, Rachenentzünungen etc, bes. in den Wintermonaten
  • Stress, seelische Belastung (manche Patienten „fühlen“ das sofort)
  • ungünstiges Klima (Heizungsluft drinnen - Kälte und Nässe draußen), Haut wird spröde und trocken
  • starkes Schwitzen (das Salz des Schweißes),  reizt die Haut
  • „kratzige“ Kleidung, reizt die Haut
  • Pollen; Hausstaubmilben, Tierhaare; falls man darauf allergisch reagiert
  • Nahrungsmittel ( allergische oder pseudoallergische Reaktionen)

Bei manchen Neurodermitikern sind nur einzelne, bei anderen aber auch zahlreiche Auslösefaktoren relevant. Das macht es so schwierig, die Neurodermitis gut zu kontrollieren.
Bei Patienten mit Neurodermitis sollte immer ein Allergietest erfolgen, um zu untersuchen ob eine Pollen-, Hausstaubmilben- oder eine „echte“ Nahrungsmittelallergie besteht. Die Allergie auslösenden Stoffe sollten dann weitestgehend gemieden werden.

Nahrungsmittel können einen Neurodermitis-Schub auslösen. „Echte“ Nahrungsmittelallergien sind hierfür aber viel seltener die Ursache als man denkt. Manchmal treten hingegen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten (sog. Pseudoallergien) auf.
Der Unterschied zu einer „echten“ Allergie ist der, dass es bei einer Pseudoallergie erst ab einer bestimmten Menge des Nahrungsmittels zu Symptomen kommt. Beispiel: Bei einer „echten“ Allergie auf Orangen würde schon eine kleine Menge auf der Zunge eine allergische Reaktion auslösen können. Bei einer Pseudoallergie kommt es erst ab einer bestimmten Menge (z.B. ab 1 Glas Orangensaft) zu Beschwerden!
Wichtig: Für Pseudoallergien gibt es keine zuverlässigen Blut- oder Hauttests. Der Neurodermitiker kann solche Trigger nur durch Eigenbeobachtung herausfinden. Der Vorteil einer Pseudoallergie: man muss die Substanz nicht komplett meiden, man darf nur nicht zu viel davon verzehren.
Pseudoallergien werden z. B. durch biogene Amine/Histamine in Nahrungsmitteln ausgelöst. Entsprechende Listen findet man im Internet (Stichwort unter Google: "Schweiz, Histaminintoleranz").

2. Behandlung

Die Therapie stützt sich auf drei Säulen:
1. die vererbt trockene und empfindliche Haut muss gut gepflegt und damit unempfindlicher gemacht werden,
2. die Auslösefaktoren (s.o.) müssen gefunden und –soweit wie möglich – ausgeschaltet werden,
3. die stark juckenden Ekzeme müssen schnell therapiert werden (auch wenn man die Auslösefaktoren noch nicht kennt), damit Kratzen die Neurodermitis nicht verschlimmert.

 

ad 1: Die Haut muss regelmäßig eingecremt werden, besonders im Winter und nach dem Baden/Duschen/Schwimmen. So wird verhindert, dass die Haut spröde und rissig wird. Rissige Haut verliert Feuchtigkeit und erlaubt „Umweltstoffen“, in die Haut einzudringen und sie zu reizen. Im Winter muss die Creme fettiger sein als im Sommer. Man braucht übers Jahr also immer mindestens zwei Pflegecremes. Achtung: Lotionen und Milch sind im Winter nicht fetthaltig genug und daher unzureichend! Andererseits können zu fette Salben im Sommer oder in überhitzen Räumen die Haut auch wieder reizen. Mit der Zeit lernen Patienten genau, welche Creme sie brauchen!

ad 2: Ursächliche Auslösefaktoren müssen gemieden werden:
  • nicht zu oft waschen/baden; nicht zu heiß baden/duschen; Seifen/Syndets nur an den wichtigsten Körperstellen einsetzen, wenn möglich, ganz darauf verzichten.
  • vor und nach dem Schwimmbadbesuch die Haut gut einfetten!
  • sich vor Infekten schützen (was natürlich nur schwer möglich ist).
  • Stress vermeiden; evtl. autogenes Training oder Stressbewältigungsmethoden erlernen; ggf. psychologische/psychotherapeutische Hilfe.
  • schaffen Sie sich ein angenehmes Raumklima (nicht zu warm, nicht zu kalt); Cremen Sie sich an kalten Tagen für draußen gut ein.
  • duschen Sie sich den Schweiß möglichst rasch ab (z.B. nach dem Sport).
  • tragen Sie weiche, Ihnen angenehme Kleidung; vermeiden Sie scheuernde Innennähte.
  • im Falle einer Pollen- oder Hausstaubmilbenallergie können Antiallergietabletten (sog. Antihistaminika) helfen; ggf. muss die Hausstaubmilbenexposition vermindert werden; ggf. helfen auch Hyposensibilisierungen.
  • relevante Nahrungsmittel sollten gemieden werden; wir empfehlen in jedem Fall eine vorherige Rücksprache mit uns, um Fehlbehandlungen und Fehlernährungen zu vermeiden.

 

ad 3: Bei schweren Neurodermitis-Schüben muss meist kurzzeitig eine Cortisoncreme eingesetzt werden, da sie gegen Juckreiz am schnellsten und effektivsten hilft. Kurzzeitig (1-5 Tage) angewendet, hat eine Cortisoncreme keine bzw. kaum Nebenwirkungen. Cortisonfreie antientzündliche Cremes oder äußerlich anzuwendende Calcineurin-Inhibitoren können folgen. Antihistaminika (als Tabletten) helfen, den Juckreiz zu lindern. Die innerliche Anwendung von Cortison oder Ciclosporin A ist sehr nebenwirkungsbehaftet und sollte daher nur schwersten Fällen vorbehalten sein.