1. Die Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, ist eine Hauterkrankung, die durch scharf begrenzte Herde mit fest haftenden, weißen Schuppen auf gerötetem Grund gekennzeichnet ist. Sie ist erblich bedingt und tritt bei 2-3% aller Mitteleuropäer auf. Nicht bei jedem, der die Psoriasis-Gene in sich trägt, muss die Erkrankung auftreten. Oftmals weisen ganze Generationen keine Hautsymptome auf; vielmehr bedarf es zusätzlicher Auslösefaktoren, damit die Schuppen-flechte in Erscheinung tritt.

 Zu den bisher bekannten  Auslösefaktoren gehören:
- Stress, starke psychische Belastungen
- Infekte, z.B. eitrige Mandel- oder Zahnentzündung
- bestimmte Medikamente, insbesondere Betablocker und Lithium, aber
  auch ACE-Hemmer,  Calciumkanalblocker u.a.
- mechanische Reizung der Haut (Kratzen, Reiben provoziert die 
  Psoriasis; sog. Köbner-Phänomen)!
- seltener:   Sonnenbrände, ungesunde Lebensweise (Rauchen, größerer
  Alkoholkonsum)

 Die Schuppenflechte ist:
- nicht ansteckend
- nicht allergisch bedingt

 Am häufigsten befällt die Schuppenflechte die Ellenbogen, Kniescheiben und den behaarten Kopf; oft finden sich auch am Steiß, Nabel oder im Anal- und Genitalbereich Psoriasisherde. Warum dies so ist, ist nicht bekannt. Seltener kann sich die Psoriasis in Form hunderter kleiner roter, schuppender Herde über den ganzen Körper ausbreiten. Sie kann auch Nägel befallen und zu Gelenkbeschwerden (3-10%) führen. Die Schuppenflechte kann nach dem ersten Auftreten ununterbrochen bestehen, häufig verläuft sie aber in Schüben.

Therapie
Es gibt zahlreiche Therapien, mit denen man die Hautsymptome bessern oder auch zum Verschwinden bringen kann. Dennoch ist es leider so, dass im Laufe des Lebens neue Schübe auftreten können. Eine echte Heilung der Psoriasis  ist nach heutigem Kenntnisstand weder schulmedizinisch noch durch alternative Behandlungen möglich.

Die Therapie basiert auf zwei Säulen:

1. Auslösefaktoren eruieren und weitestgehend ausschalten
2. die Hautveränderungen unabhängig von den Auslösefaktoren behandeln

ad 1:
- mechanische Reizungen vermeiden: kein Kratzen, kein Reiben, kein
  mechanisches Ablösen der Schuppen!!!
- auslösende Medikamente - nach Rücksprache mit dem Arzt (!) –
  absetzen/umsetzen
- Stress oder psychische Belastungen vermeiden oder bewältigen lernen;
  z.B. durch autogenes Training, Muskelentspannungsübungen
- auf regelmäßige Zahnpflege achten
- übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden
- allgemein wird eine gesunde Ernährungsweise empfohlen

ad 2:
2.1. Lokale (äußerliche) Therapie:
- Salicylsäure: löst fest haftende Schuppen; Vorsicht bei Säuglingen und
  (Klein)kindern, Gefahr der Nierenschädigung!
- Harnstoff: löst Schuppen
- Cortison (Kortikosteroide): hilft gut, aber nur kurz; intermittierende
  Anwendung (= wiederholte Anwendung mit Pausen) empfehlenswert;
  nach Absetzen oft Rezidive (Rezidiv= erneutes Auftreten),
  manchmal auch Rebound (Rebound= stärkeres Auftreten als zuvor)
- Vitamin D3 und seine Abkömmlinge: helfen teilweise gut, langsames
  Ansprechen; kein Rebound
- Dithranol (Cignolin): gut wirksam; Gefahr der übermäßigen Hautreizung;
  Anwendung eingeschränkt, da Bettwäsche, Kleidung und
  Plastik dauerhaft verfärbt wird; ambulant als sog. Minutentherapie
  durchführbar
- Teer: früher häufig angewendet; da er zahlreiche nicht bekannte
  Substanzen enthält, heute nur noch als Shampoo erlaubt

2.2. Systemische (innerliche) Therapie:
Systemische Therapien werden wegen der möglichen Nebenwirkungen vorzugsweise bei schweren Formen der Psoriasis eingesetzt. Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen und Blutkontrollen sind notwendig. Frauen müssen auf sicheren Konzeptionsschutz achten. Eine echte Heilung der Psoriasis kann nicht erzielt werden.

- Fumarsäureester: oft gute Besserung; mögliche Nebenwirkungen: u. a. häufig Magen-Darm-Beschwerden, Gesichtsrötung, Blutbildverände-rungen.
- Methotrexat: oft gute Besserung; mögliche Nebenwirkungen: u. a. Magen-Darm-Beschwerden; Gefahr der Leberschädigung (daher Alkoholverbot), potentiell kanzerogen.
- Ciclosporin: oft gute Besserung; mögliche Nebenwirkungen: u. a. Gefahr von Nierenfunktionsschäden, Bluthochdruck, Infekten, Malignomen.
- Acitretin: gut wirksam bei eitriger Schuppenflechte; mögliche Nebenwirkungen: u. a. Hauttrockenheit, verstärkter Haarausfall, Blutbildveränderungen (Cholesterin, Fettwerte, Leberwerte); auf sichere Verhütung ist bei Frauen bis 2 Jahre nach Beendigung der Therapie zu achten!
- Biologics: blockieren die Wirkung von TNF-a. Momentan nur einsetzbar, wenn die o.g. anderen systemischen Therapien nicht wirksam oder nicht möglich waren.

2.3. UV-Therapie:
- natürliches Sonnenbaden (Heliotherapie), UV-Therapie  mit künstlichen Strahlern: gute Erfolge; mögliche Nebenwirkungen: u. a. Sonnenbrand, Hautalterung, Hautkrebs.
- PUVA-Therapie: Kombinationstherapie aus Psoralen (als Wannenbad oder als Tablette zum Einnehmen) und UV-A; besser wirksam als alleinige UV-Therapie; potentiell auch krebserregend.
- Excimer-Laser: teilweise gute Erfolge; nur bei einzelnen Herden anwendbar, teuer, keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherer. 

2.4. alternative Therapien:
- Mahonienrinde: äußerlich als 10%ige Creme, innerlich als Potenz D2-Tinktur
Ein therapeutischer Nutzen alternativer Methoden (Phytotherapie, Anthroposophie, traditionelle chinesische Medizin, Homöopathie) kann nicht hinreichend beurteilt werden, da größere Studien zum Wirksamkeitsnachweis leider fehlen. Einzelberichte über erfolgreiche Behandlungen liegen vor, sind aber kritisch zu werten, da die z.B. infektbedingte Psoriasis sich auch spontan bessern kann.